Warum Glosterspezialschauen?
Für mich gibt es zwei gravierende Gründe, die für eine Spezialschau sprechen: Das ist zum einen die Kompetenz der Zuchtrichter und zum anderen die Dauer der Schau. Darüber hinaus werde ich noch andere Gründe nennen.
Die Glosterspezialschauen, die ich in Belgien, England, Holland und Deutschland bisher besuchte, wurden ausschließlich von spezialisierten Glosterzüchtern mit großer Zucht- und Schauerfahrung bewertet. Darunter verstehe ich folgendes: Mit wenigen Ausnahmen züchten diese Leute seit vielen Jahren Gloster und zwar ausschließlich. Kommt dazu noch der eigene Schauerfolg, werden die Züchter zur Bewertung auf kleine Schauen eingeladen. Bewähren sie sich dort, dürfen sie auch größere Schauen richten, wie beispielsweise die IGBA-Show in England. Dazu ist anzumerken, dass es im Ausland wesentlich mehr Spezialschauen gibt als in Deutschland. In England kann der Glosterliebhaber von Oktober bis Dezember jedes Wochenende eine Schau besuchen. Im Ausland ist folglich der Spezialist und Könner gefragt und nicht wie in Deutschland der Allgemeinrichter, dem abverlangt wird, alle Positurrassen und Farbspielarten bei den Farbkanarien optimal zu bewerten. Das kann kein Mensch! Da ändert auch keine Ausbildung und Prüfung etwas. Sicherlich gibt es bei uns in Deutschland Richter, die Teilbereiche der verschiedenen Positur- und Farbkanarienklassen hervorragend bewerten, aber eben nur Teilbereiche. Ein weiterer Unterschied zu den Vereins- und DKB-Schauen ist, dass die Vögel nicht gepunktet sondern nur "geschoben" werden. Dieses Schiebesystem ist z. B. bei den AZ-Schauen üblich. Es beinhaltet zwar Nachteile, jedoch überwiegen die Vorteile. So werden nur die besten sieben Vögel jeder Schauklasse platziert, die anderen fallen aus der Wertung heraus. Bei Spezialschauen ist es eine Gepflogenheit, dass die Aussteller nach Abschluss der Bewertung mit dem Zuchtrichter durch die Ausstellungsreihen gehen können, um die Gründe für die Platzierung zu erfragen. Grundsätzlich erfolgt auf den Spezialschauen ein offenes Richten. Das heißt, die Aussteller und Schaubesucher können, mit einem gewissen Abstand, bei der Bewertung der Gloster zuschauen und so im direkten Vergleich der Vögel einiges über die Gründe der späteren Platzierung erfahren.
Eine Bewertung der Vögel nach Punkten wäre aufgrund der kurzen Schaudauer unmöglich, beziehungsweise würden eine Reihe von Zuchtrichtern benötigt, die natürlich die Kosten in die Höhe treiben würden. Beim Schiebesystem können zwei versierte Zuchtrichter ohne Probleme 550 Gloster am Tag bewerten. Selbstverständlich lässt sich das Schiebesystem bei der Bewertung von Kollektionen nicht anwenden (z. B. Deutsche Meisterschaft). Besonders für Zuchtanfänger einer Rasse beinhaltet das Punkten auch hohe Risiken. Wird ein Vogel beispielsweise bei der Vereinsschau, Verbandsschau und der Deutschen Meisterschaft ausgestellt, wird am Ende bei der Gesamtpunktzahl oft ein Unterschied entstehen. Ist dieser gering, ist es nicht weiter von Bedeutung. Probleme bereiten dem Anfänger die Unterschiede bei der Beurteilung der einzelnen Rubriken. Erhält ein Gloster z. B. einmal 19 Punkte auf Kopf und Haube und beim nächsten Mal nur 17 Punkte, dann weiß er dies nicht mehr richtig einzuschätzen. Ein Beispiel aus meiner 42-jährigen Zeit als Aussteller: Vor einigen Jahren erhielten acht meiner Gloster Corona auf der Verbandsschau 32 Punkte mehr als auf der Vereinsschau. Vier Vögel davon stellte ich auf der folgenden Deutschen Meisterschaft aus. Dort bekamen sie weitere fünf Punkte mehr, was ihnen den Titel "Deutscher Meister" einbrachte. Ein Glück, dass ich kein Anfänger war...! Denn einen im Verein mit 83 Punkten bewerteten Gloster stellt man ja wohl nicht auf der Deutschen Meisterschaft aus.
Betrachtet man die Bewertungskarten etwas genauer, fällt auf, dass mehr als 90 % der Gloster die gleiche Punktzahl auf die Rubrik "Schwanz" erhalten. Jeder Züchter sollt mal eine Kollektion zusammenstellen und die Schwänze objektiv betrachten, dann wird er schon erhebliche Unterschiede feststellen.
Ich finde Kollektionen gut, da sie mehr über die Qualität eines Stammes aussagen, als z. B. ein hervorragender Einzelvogel eines Züchters und der Rest dieses Ausstellers ist schlecht. Vielleicht sollten die Punkte in den einzelnen Rubriken wegfallen, diese erstmal mit Plus und Minus beurteilt und eine Gesamtpunktzahl vorgegeben werden. Das macht den Preisrichter nicht mehr so angreifbar, die Rechnerei fällt weg und es wird dadurch Zeit gespart die bei der Bewertung sinnvoller genutzt werden kann. Der Gloster muss als Gesamtpaket betrachtet werden und das sollten gute Zuchtrichter mit entsprechender Rasseerfahrung können. Vereinzelt wird diese Art zu richten schon angewandt. Meiner Meinung nach, sollte in den zuständigen Gremien über dieses Thema einmal ernsthaft nachgedacht werden.
- Fortsetzung folgt -
Glosterspezialschau in Harsum/Asel
Glosterspezialschauen erfreuen sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Dies liegt insbesondere an dem Fachwissen der Spezialzuchtrichter, die ausnahmslos Glosterzüchter sind und durch ihre Erfahrung als Züchter und Zuchtrichter für eine erstklassige Bewertung der Gloster sorgen. Durch die kompetente Beurteilung der Vögel werden den Züchtern die Defizite ihrer Gloster aufgezeigt und ihnen die Möglichkeit gegeben, diese Mängel auszugleichen.
Angefangen hat alles im Jahre 1996 als wir uns mit mehreren Glosterzüchtern (H. Haake, H. Rathje, F. Tönjes und W. Wedig) trafen und über die Ausrichtung einer Glosterspezialschau sprachen. Unser Ziel war es ausschließlich englische Spezialpreisrichter zu verpflichten, die von der IGBA (International Gloster Breeders Association) anerkannt waren. Im laufe der Jahre bewerteten bekannte Zuchtrichter wie R. Popham, P. Shepard, G. Storey, S. Gash, N. Barrett, B. Dunn, D. Rands, M. Kelham, P. Rutland, M. Salmon, M. und P. Guest sowie M. und D. Moore die Gloster. Auch die sich bis heute bewerte und noch immer gültige Schauklasseneinteilung haben wir damals festgelegt.
Noch im Jahre 1996 fand die erste Glosterspezialschau in Harsum statt. Starteten wir anfangs mit ca. 20 Ausstellern und rund 240 Vögeln konnten wir in den letzten Jahren immer 34 bis 38 Aussteller und etwa 580 Gloster verzeichnen. Besonders hervorzuheben ist die internationale Beteiligung: So konnten wir Aussteller aus Polen, Holland und Belgien dazugewinnen.
Leider sind im Laufe der Jahre die anderen Initiatoren aus gesundheitlichen, beruflichen und entfernungsbedingten Gründen als Ausrichter ausgeschieden, so dass ich die Ausstellung seit einigen Jahren nur mit Hilfe meiner Familie bewältigen kann. Dankenswerterweise kann ich am Ausstellungstag immer auf die Hilfe der freiwilligen Zuträger und Schreiber zurückgreifen, ohne deren Hilfe die Durchführung der Ausstellung nicht möglich wäre. An dieser Stelle möchte ich mich bei "Euch" noch einmal ganz herzlich bedanken.
Die nächste Glosterspezialschau findet am Samstag, den 13.11.2010 statt.
Als Zuchtrichter fungieren M. Salmon & S. Gash.
Die Gosterzpezialschau findet wieder in den altbewährten Räumlichkeiten des Züchterbedarfs Franz Krone in Asel statt.
Ausgestellt werden dürfen Gloster aus eigener Zucht, Jung- und Altvögel bzw. Hahn und Henne in insgesamt 48 Schauklassen. Eine Verkaufsbörse für Zuchtvögel wird ebenfalls wieder angeboten.
Schauklasseneinteilung Glosterspezialschau 2010

Bei Interesse oder Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung!